Beobachten lernen

1 Aug 2019

Gesellschaften werden seit Jahrtausenden von einer kleinen Gruppe mächtiger diktiert – und das Volk hat das als gut zu akzeptieren, was den Mächtigen nützt!

Egal in welcher Staatsform haben wir nur die Wahl zwischen ganz wenig Ideologien – wenn  überhaupt, ist selbst in einer Demokratie im besten Fall maximal die hälfte der Bürger vertreten.

Wirtschaftssysteme, Banken, Konzerne sind einfach da. Die lassen sich nicht wählen, aber die bestimmen die Geschicke und den Wohlstand einer Nation. Dort wird die Meinung gebildet. Wir sind in Gesetzte, Bestimmungen und Verordnungen derartig eingespannt, dass uns überhaupt nicht mehr bewusst wird wie wir gegängelt werden. Wir werden schon als Kinder zu angepassten Kindern der Gesellschaft. In Schule, Ausbildung Studium ein weiterer Schliff der Anpassung an das herrschende Prinzip. In der beruflichen Laufbahn hängt das Wohlergehen von der Hierarchie der Gesellschaft ab. Anstatt aus diesem andauernden Druck verzweifelt auszubrechen, ist der Fluchtweg: die Verdrängung des nicht Ertragbaren ins Unbewusste, alles was mit den Spielregeln der Gesellschaft nicht konform geht. Darum ist unser Geist unfähig die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie tatsächlich ist. Was wir für die Wirklichkeit halten, sind Bruchteile der Realität. Unsere Sinne werden täglich kontrolliert, die Wahrnehmung gefiltert. Wir sind nicht fähig mehr zu sehen, als das was wir gelernt haben als richtig zu akzeptieren. Auf diese Weise empfangen wir ein kräftig zensiertes Bild der Wirklichkeit.

Es gibt keine wirkliche Sicherheit, nicht in der Gesellschaft, nicht in den Autoritäten die wir anerkennen. Aus der Anpassung erwächst weitere elementare Unfreiheit. Wir müssen begreifen, dass es Dinge gibt, die keinen Preis haben – die können wir uns nicht erkaufen.

Wir dürfen keine Autoritäten anerkennnen, niemand, der uns vorschreibt, wie wir zu sein oder zu werden haben. Um diese Freiheit zu erreichen, ist in erster Linie unsere Bereitschaft notwendig. Der Schritt zur inneren Freiheit beginnt damit, dass wir unserer Bindungen ansehen, sie solange beobachten, bis wir die in ihnen liegenden Gefahren erkannt haben. Unter unserer Aufmerksamkeit, die nicht von Gedanken gestört werden sollte, verlieren diese Bindungen ihren Einfluss auf uns.

Konzentration geht vom Gehirn aus und ist damit materiell, weil jede Art von Gedanken Materie ist. Aufmerksamkeit hat mit Gedanken nichts zu tun. Gedanken verfälschen die Aufmerksamkeit. Beobachten ist die zweite Voraussetzung dafür, dass Aufmerksamkeit in unser Leben einzieht. Beobachten ist kein intellektueller Vorgang, es ist etwas ganz einfaches. Wenn du etwas beobachtest, blicke es einfach nur an – ohne zu verkrampfen. Denke nicht »Baum«, wenn du einen Baum siehst, blicke ihn einfach an, sonst nichts!

Die sanfte Kunst des Beobachtens ist die Grundlage für die Aufmerksamkeit. Beobachten schließt den gesamten Sinnesbereich mit ein (Tasten, Hören, Schmecken, Riechen und Sehen). Motivlos beobachten, ohne denkende Analyse, dann stellt sich Aufmerksamkeit ein. Dieses Tun ist einfach. Was es kompliziert macht ist, dass wir die Fähigkeit verloren haben etwas nur anzusehen, ohne dass wir unsere Gedanken dazuwischenschalten, analysieren und untersuchen. Einfach nur beobachten ohne einen Vorgang mit Gedanken zu begleiten und zu vergleichen.