Yogablog

Leben in Freiheit

8 Mär 2020

Ich muss alles loslassen, damit ich in der Gegenwart präsent sein kann. Loslassen, um in die Präsenz zu kommen. Die Gegenwart. Den Augenblick leben. Keine Wertung, nichts. Nicht trennen, nicht unterscheiden!

Die Gesetzte des Handelns durch Nichthandeln, durch Geschehenlassen, entziehen sich jeder intellektueller Interpretation. Man kann sie in ihrem vollen Umfang nicht verstehen. Aber man kann sie sehr wohl nachleben.

Ein Leben, ohne bestimmte Absicht zu leben, ohne das Ziel, etwas zu werden oder etwas erreichen zu wollen ist: motivlos. Die Weisen des Tao haben für diese unbefangene Art, ihre Tage zu verbringen, ein sehr zartes Gleichnis gefunden: »Einen See, über dessen glatter Wasserfläche ein Kranich fliegt. Der Kranich spiegelt sich im See, aber weder der Kranich noch der See rufen diese Spiegelung absichtlich hervor.« So federleicht soll im Idealzustand unser Leben aussehen.

Absichtslos, gelassen, loslassen, lösen von allen Bindungen materieller und ideeller Art. Sobald wir davon innerlich frei sind, wird unser Leben vollkommen sorglos verlaufen. 

Freiheit von aller inneren Gebundenheit und Leben in der Gegenwart. Mehr ist nicht notwendig – aber mit weniger geht es auch nicht.

Es geht um nichts anderes als, vom Ego befreit, in völligem Loslassen aller Dinge, dem Wirken der Wirklichkeit Raum zu geben, sich der wahren Wirklichkeit zuzuwenden. Es ist nicht: »nichts Tun« – es ist: »Nicht-Tun«. Es ist die innere Freiheit des nicht Entscheidens. Das Loslassen, geschehen lassen.

Instinkt

7 Feb 2020

Warum tut ein Huhn was es tut? Du weist es nicht? Ich auch nicht! 

Gene? – DNA? – Instinkt? – Weist du etwa nicht, was das ist?

Wissbegieriger: »Warum fliegen Vögel vor dem Winter gen Süden?«

Wissenschaft: »Instinkt.«

Zu deutsch: »Wissen wir auch nicht!«

»Das ohnmächtige, vollkommene Ausgeliefertsein an ein Fremdes, Bedrohliches: Leben, die Natur; an ein dem Mensch, der Existenz feindliches Sein.« Gerade beginnen wir zu verstehen, wie das Leben biologisch entstanden ist, wir stehen kurz davor, den Ursprung des Universums zu begreifen. Aber die eigentliche Frage, das Warum, werden wir nicht beantworten. Unser Leben begreifen wir immer nur mit unserem Verstand, wir können es immer nur mit unseren Begriffen beschreiben, etwas anderes haben wir nicht. Aber der Natur, dem Leben, dem All bedeuten diese Begriffe nichts. Das alles ist einfach nur da.

Alles hat ein eigenes wahres Wesen. Aber der Mensch hat den Verstand, und der lässt sich schnell narren. Viele Menschen schauen und horchen nicht nach innen, und folglich verstehen sie sich selbst, nicht besonders gut. Menschen sind zu kopflastig und lösen sich aus dem tragenden Netz der Naturgesetze heraus, in das sie störend eingreifen und überall ihre eigenen Absichten verfolgen.

Der lebendige Taoismus, wird im Chinesischen: Wu Wei genannt. Bedeutet übersetzt: »ohne Tun, ohne Ursache, ohne Verdienst.« Das Schriftzeichen Wei leitet sich aus dem Symbol »greifende Hand« und »Affe« her, so dass der Begriff Wu Wei, auch Nicht-Angehen gegen die Natur der Dinge oder kein vorwitztiges Eingreifen oder kein Affentheater bedeutet.

Das Leben im Tao

6 Jan 2020

Das Leben im Tao ist in dem Augenblick vollkommen verwirklicht, wenn du den Zustand schaffst, der einmal bestand, bevor dein kindlicher Lernprozess begann und du unter diversen Einflüssen und Strömungen allmählich das Bild der Wirklichkeit gewonnen hast, das heute noch dein Dasein bestimmt. Es klingt grotesk und fast unannehmbar: Aber nichts, was uns über uns und die Welt ringsherum beigebracht worden ist, hat Anspruch auf absolute Richtigkeit. Wir führen ein Leben in der Relativität der Maßstäbe, die uns unser Denken setzt. Und dieses bestimmt zugleich unsere Grenzen. Diese, gleichfalls selbst errichtet, begleiten uns wie ein unsichtbarer Käfig, der uns einschließt, aber mobil ist, so dass wir dennoch das trügerische Gefühl von geistiger Freiheit besitzen.

Beobachten ist die Grundlage für Aufmerksamkeit. Beobachten ist kein intellektueller Vorgang. Gedanken verfälschen die Aufmerksamkeit. Beobachten ist einfach. Was es kompliziert macht, ist dass wir die Fähigkeit verloren haben, etwas nur anzusehen, ohne dass wir unsere Gedanken dazwischenschalten. Auch Gedanken beobachten, ohne Stellungnahme, ohne beurteilen, ohne werten, ohne Gedanken nachzuhängen. Beobachten, Aufmerksamkeit und das Vertrauen in unsere Intuition sind die Grundlagen für ein Leben im Tao. Im Tao ist alles im Fluss, ist eine andauernde Veränderung, ist das Aufhören aller Gegensätze, ist ein ständiger Neubeginn. Alles fließt.

Physiker der Kernphysik erkannten bei subatomaren Versuchen, dass es Materie in der von uns wahrgenommenen Form überhaupt nicht gibt. Alles, was Materie ausmachen könnte, ist ununterbrochen in Bewegung, einbezogen in einen Prozess von ungeheuer schnellem Verfall und Neuerstehen. Die kleinsten Energiepartikel der Materie lassen sich nicht als Bestandteil eines bestimmten Objekts oder Gegenstands fixieren. Das gesamte Universum ist eine in sich geschlossene, gewaltige Einheit und nicht eine Ansammlung zahlloser Einzelteile. Kernphysiker bestätigen damit dieses Wissen der alten Weisen: [...] Die kleinsten Elemente unserer Materie lassen sich keinem Objekt zuordnen, sie weisen vielmehr auf eine komplexe Wechselwirkung aller Teilchen miteinander innerhalb des Universums hin. [...] Welches zugleich mit dem Namen Tao bedacht ist. Das heißt, wir leben im Tao. Wir müssen es nur zulassen – bzw. wieder lernen, es zuzulassen.

Epistemologische Kränkungen

5 Dez 2019

Die Menschheit hat vier wissenschaftliche- / erkenntnistheoretische Kränkungen erlitten.

In der Ersten zeigte Kopernikus: Wir sind nicht der Mittelpunkt des Universums.

Dann enthüllte Darwin, dass wir dem Tier ähnlich sind.

Drittens machte Freud klar: Wir sind nicht die völlig bewussten Lenker unseres Verhaltens.

Und nun hat Humberto R. Maturana eine weitere epistemologische Kränkung hinzugefügt: Wir sind völlig unfähig, die Welt objektiv wahrzunehmen und haben keinen verlässlichen Grund wahrzunehmen, dass es eine objektive Wirklichkeit gibt, die unabhängig von uns existiert.

Wünsche Denken vs. absolute Realität

4 Nov 2019

Allen Lehren des positiven Denkens gemeinsam ist die Erkenntnis, dass das Denken alleine keine Wirkung erzielt. Die Methoden des positiven Denkens beziehen sich in erster Linie darauf, alles Negativ verneinende in der Wirklichkeit des Alltags zu sehen. Den Blick nicht auf das Problem gerichtet, sondern ganz intensiv auf die Lösung – auf das Problem in seinem gelösten Zustand, möglichst bildhaft, anschaulich und in der Gegenwartsform formuliert; also in der Vorstellung den angestrebten Zustand als erreicht anzusehen. Wer sich z.B. Glück wünscht, nicht denken: »Ich werde Glück haben.« Sondern: »Ich habe Glück.« – oder: »Ich bin glücklich.«

Klar ist jedoch, dass der Verstand keinen Zugang zu dieser Dimension hat. Das Ablehnen jeglichen Zweifels spielt eine große Rolle für das Gelingen des Spiels mit Wunschgedanken und der Beeinflussung des Schicksals mittels dieser Methode. Wobei das dann die gravierende Schwäche dieser Methode ist. Es funktioniert wenn sich jemand genügend anstrengt.

Die Kraft aus der wir die Änderung unserer Lebensumstände erhoffen – und auch bekommen, ist eine Dimension, die jedem Menschen innewohnt.

Aber: Die Methode des positiven Denkens setzt die Flucht vor der Realität fort. Sie zwingt dem Praktizierenden das Abwenden von der Realität förmlich auf. Mit Denken wird das Ego aufgewertet und gestärkt, da Ich und Ego ein reines Produkt von Denken und Gedanken sind. Damit entferne ich mich noch mehr von der Ganzheit der Wahrnehmung des Lebens. Probleme verdrängt, ignoriert oder gedanklich umgewandelt, korrigieren die subjektive Realität und ich entferne mich von der absoluten Realität.

Jeder muss den Schritt zu sich selbst alleine tun. Probleme beschauen, wahrnehmen, beobachten, möglichst neutral, ohne eine Deutung hinein-zuinterpretieren und loszulassen, nicht um es zu vergessen, sondern um einen gedanklichen Abstand zu gewinnen und aber genau dadurch dann wieder eine maximale geistige Nähe zu erzielen ohne zu verkrampfen – und genau jetzt kommt die Intuition mit ins Spiel. Es ist eine Macht, die weit über der Zeit steht, dem Intellekt nicht zugänglich. – Und wir brauchen nichts weiter tun als uns an ihr vertrauensvoll zu orientieren. Je öfter wir in der Gegenwart verweilen und der Intuition vertrauen, umso größer wird unser Vertrauen in die Intuition. Das ist die Essenz der Lebenskunst, die naturgegebene Gabe in uns arbeiten zu lassen.