Yogablog

Loslassen. Zur Ruhe kommen. – Und dann?

11 Jul 2020

Gib alte Gewohnheiten auf, die dich an neuen Erfahrungen hindern.

Lass deine Gedanken zur Ruhe kommen. Werde leer. Komm in die Leerheit. Ruhe und Stille breiten sich aus.

Tiefe klare offene Weite. Offen sein für das, was der Moment bringt.

Zen sagt uns, was wichtig ist. Ich brauche nicht mehr zu tun.

Wissend werden – nicht glauben! 

Auch wissen, wenn ich nichts weiß.

Oftmals findet im Sitzen, gerade weil die Gelegenheit zur Rede nicht gegeben ist, ein eminent inneres Reden statt. Aus Sicht des Zen betrachtet, begegnet man dem inneren Reden mit Zulassen. Wir sind voll mit Bildern, Gedanken, Worten, Impressionen, Vorstellungen, Meinungen und Bewertungen, das sind Teile der Wirklichkeit, die wir sind. Wenn ich nun sitzte und sitze und sitze, kann es geschehen, dass ich immer weniger zu denken und zu sagen habe, entweder, weil alles gedacht und gesagt ist oder weil es mir zu dumm und zu langweilig wird, immerfort nur um ein und dasselbe zu kreisen. So werde ich still, werde ein Hörender, höre, ja lausche, was mir die Wirklichkeit sagen will. Nun ist sie es, die Gefühle in mir weckt, mir die Begriffe gibt. Und ich beginne auf neue Weise zu begreifen. Ich begreife, dass es Dinge gibt außerhalb meines Denkens, Dinge, die nicht so sind, wie ich sie mir denke und wie ich sie haben will, Dinge, die ein Eigenleben haben. Ich vernehme, werde aufmerksam. [...]

Auf solche meditative Weise entsteht, Wirken, [...] das als reines Wirken stattfindet, in dem das Ich, das Selbst, das Denken und das Nichtdenken enthalten und aufgehoben sind. Dieses ist das Licht, das uns allen in die Kindheit scheint, in der wir schon immer sind, in der Heimat der Identität, die in jedem mit Bewusstsein gelebten Augenblick neu Wirklichkeit wird.

Zitate von Dr. Karlheinz Bartel aus: »Was Hegel denkt, praktiziert Zen«

Sei einfach da. Nimm an, was ist. Lass zu, was du über deine Sinne aufnimmst, aber klammere dich nicht daran fest, lass die Gedanken kommen und gehen, atme ruhig ein und aus, beobachte den Atem.

Wir sind reich an Wissen, aber arm an Weisheit

1 Jun 2020

Erfüllung eines Verlangens erzeugt eine Illusion von Befriedigung. Die Erfüllung eines Verlangens macht dann glücklich, weil damit das Verlangen für kurze Zeit beseitigt scheint. Bei einiger Überlegung verstehen wir, dass nicht das Verlangen selbst, sondern das Freisein von ihm das Glück in sich trägt.

Gib alte Gewohnheiten auf, die dich an neuen Erfahrungen hindern.

Prinzipien des Übens, Luise Wörle

Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, darum machten sie es einfach.

Mark Twain

Eine prosporierende Zukunft für alle ist nur machbar, wenn der Wohlstand massiv vom Naturverbrauch abgekoppelt wird, auch in der Landwirtschaft und bei den Treibhausgasen.

Fast die Hälfte der fruchtbaren Böden der Erde ist in den letzten 150 Jahren verschwunden; fast 90% der Fischbestände sind entweder überfischt oder einfach weg. Die Klimastabilität ist in echter Gefahr; und die Erde erlebt gerade das sechste große Artensterben ihrer Geschichte. – Die Erde wird überdauern. Alter der Erde: ca. 4,5 Milliarden (4.543.000.000) Jahre!

Eine kurze Abhandlung über die Zeit: vor rund 14 Milliarden (14.000.000.000) Jahren war der Urknall, es entstand Materie, Energie, Raum und Zeit. Etwa 300.000 Jahre später entstanden aus der Verbindung von Materie und Energie, Atome und Moleküle. Vor 4 Milliarden (4.000.000.000) Jahren verbinden sich Moleküle zu komplexeren Strukturen, die wir Organismen nennen. Vor etwa 2,5 Millionen (2.500.000) Jahren sind die ersten menschenähnlichen Tiere auf der Erde. Mit dem Homo sapiens werden vor gut 70.000 Jahren menschliche Kulturen geprägt, die etwas in Gang bringen, was die landwirtschaftlichen Revolution vor rund 12.000 Jahren weiter beschleunigt und mit der die wissenschaftliche Revolution vor knapp 500 Jahren ihren Anfang nimmt.

Die reichsten acht Menschen der Welt haben jetzt soviel Reichtum, wie die gesamte ärmste Hälfte der Weltbevölkerung.

Oxfam, 2017

Die Frage, ob in Zukunft jeder unterernährt sein muss, führt nicht zu einer Diskussion über technische Herausforderungen oder Überbevölkerung, sondern zu der verblüffend einfachen Frage, ob sich diejenigen unter uns, die bereits genug haben, ausreichend um die kümmern, bei denen es nicht reicht.

Die Wahrheit ist es, die sich nicht verändert.

Hegel, Zen & Tao

10 Mai 2020

Handeln, durch Nichthandeln. Geschehen lassen.

Mach dich frei, gewinne deine kindliche Unschuld in der Betrachtung und Bewertung des Lebens zurück. Frei von Berechnung, absichtlichem Verhalten um eines Vorteils willen, ohne Motiv, frei von Sorgen und Gedanken.

Sitze, spüre den Atem; du wirst dies und das denken. Lass das alles geschehen und du wirst im Hier und Jetzt sein. 

Leben findet ausschließlich in der Gegenwart statt.

Nur weil das Sitzen nach absoluter Stille aussieht, geht es im Zen nicht einzig um das Schweigen, sondern um das Eins-Werden mit dem was ist. Ist das, was ist, das Denken, dann bedeutet eins zu werden mit dem, was ist, ganz eins zu werden mit dem Denken. Findet im Sitzen Nichtdenken statt, so geht es darum, mit dem Nichtdenken eins zu werden. [...]

Zen wäre nicht Zen, gäbe es im Zen eine Abwertung des Denkens. [...]

Ob Denken oder Nichtdenken ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, zu beobachten, was ist und sein will, und das durch Bilder und eigene Gedanken nicht zu bewerten. Mit der Tätigkeit des Bewertens haften wir am eigenen Denken an. Die Gefahr dabei ist, im bewertenden Denken hängen zu bleiben. Damit wären wir aber nicht mehr unmittelbar bei der Wirklichkeit, sondern bei der Bewertung derselben, bei unseren Meinungen darüber, und das bedeutet: wir verharren in der Entzweiung und wären nicht mehr mit der Aufhebung derselben beschäftigt. Während Hegel hört, was die Wirklichkeit über sich selber »sagt« leitet Zen dazu an, die Wirklichkeit zu realisieren. Wo Hegel noch im Denken, d.h. in der Erkenntnistheorie hängt, ist Zen immer schon Lebenspraxis.

Zitate von Dr. Karlheinz Bartel aus: »Was Hegel denkt, praktiziert Zen«

Innere Freiheit durch Selbstwahrnehmung und wache Aufmerksamkeit

9 Apr 2020

Ein Schlüssel zur inneren Freiheit über den Impuls bei Ereignissen, die starke Emotionen in mir auslösen, sofort zu handeln, ist mich selbst zu beherrschen. Das bedeutet: der Herrscher über mich und damit auch über meine Gefühle zu sein und zu bleiben – und Wut herunterschlucken.

Sehr selbstbeherrschte Menschen verlieren oft die Sensibilität für sich und andere, verlieren Empathie, werden innnerlich abgeschlossen und hart. Oder lassen ihre Wut erst später gegenüber Unbeteiligten aus.

Gefühle drängen uns dazu, etwas zu tun, da wir einem inneren Impuls nachgeben. Die Emotion ist der aktive Impuls des Gefühls, die uns zum Handeln bringt. So hat z.B. Ärger und derjenige, der den Ärger in uns auslöst, Macht über uns, indem unsere Gedanken, unser Handeln und unser Gefühlsleben beeinflusst werden und derjenige somit Einfluss auf unser Innenleben nimmt. 

Ein wichtiger Schritt zur inneren Freiheit ist für mich, mit meinem Innenleben vertrauter zu werden und durch meine Wahrnehmung zu meinem Innenleben einen Abstand zu schaffen. Selbstwahrnehmung, als Alternative zur Selbstbeherrschung, bedeutet: anstelle direkt zu handeln, den Handlungsimpuls erst einmal nur wahrzunehmen und nichts zu tun. Agieren und nicht nur reagieren! Das bedeutet Emotionen wahrzunehmen, auch wenn diese drängend und schmerzlich sind, diese auszuhalten und dadurch zu akzeptieren. Ohne analysieren, kommentieren, bewerten. Es ist gleichsam wie das Verhalten eines beobachtenden Zeugen. Es geht darum nichts verändern zu wollen und sich selbst auszuhalten, ohne sich zu einer schnellen Reaktion hinreißen zu lassen. Es geht darum, frei zu sein in der Entscheidung, wie und wann ich handle – und agiere – und nicht einfach nur reagiere, auf das Agieren eines/r Anderen hin. Sobald ich in blinder Wut reagiere, erlaube ich dem Gegenüber Macht über mich, mein Handeln und meine Gefühle auszuüben. Wichtig ist, dass ich in meiner Entscheidung zu Handeln innerlich frei bin. Innerlich freier zu werden ist ein anspruchsvoller, manchmal auch schmerzhafter Prozess. Aber der Zugewinn an innerer Freiheit wächst in dem Maße, indem ich lerne Spannungen auszuhalten. Daraus erwächst die Freiheit, das zu tun, was ich als richtig erkannt habe.

Wir müssen erkennen, dass Kräfte, wie Angst, Sorgen, Spannungen usw. Herausforderungen sind, die zum Leben gehören, an denen wir wachsen und die uns helfen innere Stabilität zu entwickeln. Entziehen wir uns diesem Spannungsfeld, verpassen wir den Zugang zu unserer inneren Entfaltung. Wenn wir davon ausgehen, dass alles, was innen ist unweigerlich außen im Körper zum Ausdruck kommt, verkrampfen diese Spannungszustände die körperliche Haltung.

Leben in Freiheit

8 Mär 2020

Ich muss alles loslassen, damit ich in der Gegenwart präsent sein kann. Loslassen, um in die Präsenz zu kommen. Die Gegenwart. Den Augenblick leben. Keine Wertung, nichts. Nicht trennen, nicht unterscheiden!

Die Gesetzte des Handelns durch Nichthandeln, durch Geschehenlassen, entziehen sich jeder intellektueller Interpretation. Man kann sie in ihrem vollen Umfang nicht verstehen. Aber man kann sie sehr wohl nachleben.

Ein Leben, ohne bestimmte Absicht zu leben, ohne das Ziel, etwas zu werden oder etwas erreichen zu wollen ist: motivlos. Die Weisen des Tao haben für diese unbefangene Art, ihre Tage zu verbringen, ein sehr zartes Gleichnis gefunden: »Einen See, über dessen glatter Wasserfläche ein Kranich fliegt. Der Kranich spiegelt sich im See, aber weder der Kranich noch der See rufen diese Spiegelung absichtlich hervor.« So federleicht soll im Idealzustand unser Leben aussehen.

Absichtslos, gelassen, loslassen, lösen von allen Bindungen materieller und ideeller Art. Sobald wir davon innerlich frei sind, wird unser Leben vollkommen sorglos verlaufen. 

Freiheit von aller inneren Gebundenheit und Leben in der Gegenwart. Mehr ist nicht notwendig – aber mit weniger geht es auch nicht.

Es geht um nichts anderes als, vom Ego befreit, in völligem Loslassen aller Dinge, dem Wirken der Wirklichkeit Raum zu geben, sich der wahren Wirklichkeit zuzuwenden. Es ist nicht: »nichts Tun« – es ist: »Nicht-Tun«. Es ist die innere Freiheit des nicht Entscheidens. Das Loslassen, geschehen lassen.