Yogablog

Der enge Zusammenhang zwischen Atem und Geist

1 Feb 2021

Atem, Geist und Sinne stehen in einem engen Zusammenhang. Wer prāṇāyāma und pratyahara praktiziert beruhigt die Sinne und den umherschweifenden Geist. Das Loslassen, das Nicht-Anhaften, das Nicht-Bewerten der Bilder und Gedanken, sowie die Kontrolle des Atems sind elementare Voraussetzungen für geistige Ruhe und Frieden.

Die Sinnesorgane ziehen sich von allen Objekten zurück, die sie ablenken und begierig nach immer neuen machen. Sinne und Geist werden frei und entspannt.

Das Gewahrsein des Atems führt zu einer Ruhe, Stille und Klarheit des Geistes und zu einer vollständig auf den gegenwärtigen Augenblick gerichtete Aufmerksamkeit. Ruhiges, beständiges Ein- und Ausatmen macht »das Bewusstsein so ruhig, wie einen still ruhenden See. Ein tiefes Wasser, das von keinen Wellen gestört wird, in dem sich alles klar und ruhig widerspiegelt.« 

Atem, Geist und Sinne stehen in einem engen Zusammenhang, wobei »der Atem der Meister des Geistes und der Geist, der Meister der Sinne sei.«

Zweck der Übung besteht darin sich von geistigen Anhaftungen zu befreien. Um dies zu erreichen rückt die Atmung in das Zentrum der Meditation. Durch die Konzentration auf den Atem können Anfänger lernen, diese Fixierungen zu lockern um sich auf eine offenere Haltung zuzubewegen. Gehirn und Denken sollten wachsam bleiben, damit Körperhaltung und Atemfluss ständig neu korrigiert werden können. Wesentlich ist völlige Offenheit von Denken und Intellekt.

Die Blütenblätter des Yoga – oder der Achtgliedrige Yoga-Pfad des Patañjali

1 Jan 2020

yama, ethische und soziale Regeln: niemandem Schaden zufügen, ehrlich sein, nicht stehlen, eigene Wünsche und Begierden in Zaum halten, frei von Neid und frei vom Festhalten an Vergänglichem.

niyama, 5 Aspekte der Selbstreinigung: Reinlichkeit, Zufriedenheit, Eifer in Studium und Praxis, persönliches Eintauchen in die Tiefgründigkeit der Yogaschriften und Hingabe an den göttlichen Ursprung.

āsana ist eine feste ruhige Sitzhaltung, in der man nicht abgelenkt ist. Körper, Geist und Seele sind an dieser Haltung beteiligt.

prāṇāyāma, den Atem ausweiten, um die Lebensenergie zu kontrollieren. Einatmung und Ausatmung behutsam verlängern und verfeinern. In den Atempausen, vor allem nach der Ausatmung, ist innere Ruhe erfahrbar.

Werden diese vier Aspekte praktiziert, ist das Ergebnis pratyaharapratyahara ist ein beruhigen der Sinne und ein beruhigen des umherschweifenden Geistes. pratyahara bereitet wiederum auf die drei letzten Aspekte vor.

dhāraṇā: Sinne werden nicht mehr abgelenkt. Konzentration, die frei von Körperspannung ist.

Daraus entwickelt sich dhyāna, die Meditation. Zu einem entspannten Zustand des Körpers kommt emotionale Ruhe, während der Geist vollständig wach und bewusst bleibt.

Der letzte höchste Aspekt dieses Wegs ist samādhi: »Die Ströme von Intellekt und Bewusstsein fließen zusammen und verschmelzen im Ozean der Seele«. Die Rückkehr zum Ursprung des Seins. Die höchste Stufe wird erreicht, wenn die fünf Sinne der Wahrnemumg, die Gedanken und der Geist ruhig sind. Die Sinne auf diese Weise zu beherrschen und frei von Ablenkungen zu sein, ist Yoga.

abhyāsa und vairāgya sind, nach Patañjali, die beiden Hauptpfeiler des Yoga-Wegs. abhyāsa bedeutet lernen durch disziplinierte, hingebungsvolle Praxis. vairāgya bedeutet, alles zu meiden, was vom Weg des Lernens ablenkt; Nicht-Anhaften; Loslassen. Das zentrale Konzept ist: die Bewegungen des Bewusstseins zur Ruhe kommen lassen. »yogas citta–vrtti–nirodhah« [allmählich ruhig und frei von Ablenkungen werden]

Grundlage bilden: Achtsamkeit, Präzision, Feinabstimmung und ökonomisches Üben.

Wichtigstes Prinzip ist: das achtsame, von Bewusstheit, Gewahrsein und Sensibilität geprägte Üben.

Yoga ist mehr als nur körperliche Gelenkigkeit. Yoga kann von jedem demütig und ohne Erwartungen geübt werden, denn die höchste spirituelle Erfahrung bleibt ein Geschenk. Das wahre Tor der Befreiung liegt in der Absichtslosigkeit. Die höchste Form der Askese ist Geduld. Aber Vorsicht: wenn wir uns im Streben nach Stärke überlegen vorkommen oder meinen, über anderen zu stehen, dann können wir sicher sein, dass gerade etwas schief läuft. Es sind Hingabe und Demut, die uns zur Bescheidenheit zurückbringen.

Glück

1 Dez 2020

Seit zweieinhalb Jahrtausenden beschäftigen sich Buddhisten mit dem Wesen und den Ursachen des menschlichen Glücks. Glück hängt weder von einer subjektiven Empfindung noch von einem Lebenssinn ab. Glück bedeutet, keinen subjektiven Empfindungen und keinen Illusionen mehr nachzujagen. Die meisten Menschen verwechseln Glück mit angenehmen Empfindungen und Leid mit unangenehmen Empfindungen. Daher auch die Sehnsucht nach angenehmen Gefühlen und unangenehme Gefühle möglichst vermeiden. Doch darin irren wir gründlich. Unsere subjektiven Empfindungen haben kein Wesen und keine Bedeutung. Immer wenn wir ein unangenehmes Gefühl haben, leiden wir. Und selbst wenn wir ein angenehmes Gefühl haben, sind wir unzufrieden, weil wir wollen, dass das angenehme Gefühl stärker wird, oder weil wir Angst haben, dass es vergehen könnte. Die Jagd nach subjektiven Emfindungen ist so ermüdend wie sinnlos.

Glück hängt nicht von äußeren Umständen ab. Wahres Glück hat auch nichts mit unseren subjektiven Gefühlen zu tun. Es kommt nicht darauf an, dass unsere Erwartungen erfüllt werden und wir uns in wohligen Gefühlen räkeln, sondern vielmehr, dass wir uns selbst so sehen, wir wir sind.

Die Ursache des Leids ist nicht die subjektive Empfindung von Schmerz, Trauer oder Sinnlosigkeit. Die Ursache des Leids ist genau diese Jagd nach beliebigen subjektiven Empfindungen, denn sie versetzt uns in einen dauernden Zustand der Anspannung, Verwirrung und Unzufriedenheit.

Daher können wir das Leid nur überwinden, wenn wir die Jagd nach diesen subjektiven Empfingungen beenden. Dann verursacht Schmerz kein Leid mehr, und Freude stört unseren inneren Frieden nicht. Unser Geist ist ruhig, klar und zufrieden. Der daraus resultierende Gleichmut ist so profund, dass die Menschen, die ihr Leben lang wie besessen hinter angenehmen Empfindungen herlaufen, nicht einmal eine annähernde Vorstellung davon bekommen können. Glück ist nicht von äußeren Umständen abhängig. Buddha empfahl uns nicht nur, das Streben nach äußeren Errungenschaften aufzugeben, sondern vor allem die Jagd nach Gefühlen.

Herz über Kopf

1 Nov 2020

Stell dir vor, dass es vor langer Zeit einen Tag gab – irgendwo, vielleicht in einer Höhle – und ein Mensch kommt vielleicht mit ein paar Beeren oder einem kleinen toten Tier hinein und setzt sich um es zu essen. – Dann sieht er jedoch, dass schon ein anderer Mensch in der Höhle ist, und es gibt einen Moment der Spannung, indem sich beide anschauen, um zu erkennen, wer größer und stärker ist, wer dem anderen die Nahrung wegnehmen wird. – Und dem mit dem Essen kommt ein seltsamer Gedanke in den Sinn. Er nimmt seine Beeren oder was auch immer und bietet davon einige oder auch alle dem anderen an – ohne Streit oder Prügelei, einfach nur, weil er spürt, wie hungrig der andere ist . – Am nächsten Tag geht der Mensch wieder hinaus und sucht nach Nahrung, und er nimmt wahr, dass das Auffinden von Nahrung heute wesentlich leichter ist. Da streift ein unsagbar heiliger Gedanke seinen Geist, und er sagt sich: »Vielleicht finde ich heute leichter Nahrung, weil ich meine Nahrung gestern geteilt habe.« – Und stell dir jetzt vor, sowas passiert dir heutzutage z.B. im Straßenverkehr – und du bremst für andere oder nimmst mehr Rücksicht – ohne immer gleich halb durchzudrehen!? ... oder oder oder ...

Du siehst Menschen, die sich aus einer Unterhaltung ausklinken, um eine ankommende SMS zu lesen, und fängst an, das für normal zu halten. Also tust du es mit anderen Menschen auch. – Jedes Mal, wenn du dich so verhälst, erschaffst du einen Samen, der dafür sorgt, dass Menschen einander ignorieren. Bald schon ignoriert jeder jeden und erschafft dabei Samen, die dafür sorgen, dass das allgemein akzeptierte Ignorieren noch sehr, sehr lange anhält. Ja, es entsteht eine ganze Kultur der Ignoranz.

Leid

1 Okt 2020

Siddhartha erkannte, dass Menschen nicht nur leiden, wegen Katastrophen, Kriegen oder Epedemien, sondern dass Leid aus Ängsten, Enttäuschungen und Unzufriedenheit ein fester Bestandteil der menschlichen Existenz ist. Menschen jagen Geld und Macht hinterher, häufen Wissen und Reichtümer an. Aber was sie auch erreichen, sie werden nie zufrieden. Es ist nie genug. Wer arm ist will reich sein. Wer eine Million hat, träumt von zwei. Wer zwei Millionen hat, will zehn. Bis Krankheit, Alter und Tod ein Ende setzen und sich alles Angehäufte in Luft auflöst.

Was macht Leid aus? Wie kann man ihm entkommen? Ursache des Leids sind weder Schicksalschläge noch soziale Ungerechtigkeit, sondern vielmehr die eigenen Denk- und Verhaltensmuster.

Jede Erfahrung erweckt Begehren. Begehren schürt Unzufriedenheit. Unangenehme Erfahrungen will jeder vermeiden oder wieder los werden. Angenehme Erfahrungen sollen nie enden. Daher ist unser Geist immer unzufrieden und rastlos, um vor Trauer und Leid zu fliehen oder immer größeren Freuden nachzujagen.

Ursache des Leids ist Begehren; wir können uns nur vom Leid befreien, wenn wir uns vom Begehren befreien; und wir können uns nur vom Begehren befreien, wenn wir lernen, die Wirklichkeit so zu sehen, wie sie ist.

Leid und Glück entspringen einem Naturgesetz, unabhängig von Göttern. Wenn wir uns vom Leid befreien, kann uns kein Gott mehr etwas anhaben. Wenn wir von unseren Begierden beherrscht werden, kann uns kein Gott der Welt vom Leid befreien.

Eine Erfahrung annehmen, wie sie ist, verursacht kein Leid. Ein Mensch der nicht begehrt kann nicht leiden. Wenn wir Trauer empfinden, ohne ein Ende dieses Zustands herbeizusehnen, dann können wir diese Trauer spüren, ohne unter ihr zu leiden. Wenn wir Freude empfinden, ohne uns nach immer mehr und immer intensiverer Freude zu sehnen, können wir diese Freude erleben, ohne dabei unseren inneren Frieden zu verlieren.

Konzentrieren wir uns auf eine einzige Frage: »Was spüre ich in diesem Momemt wirklich?«, anstatt wieder einer anderen Frage hinterher zu jagen: »Was würde ich in diesem Moment lieber spüren?«, können wir einen inneren Zustand erreichen, indem wir Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Dazu kommen ethische Verhaltensregeln: nicht töten, nicht stehlen, sexuelle Ausschweifungen vermeiden, da diese Handlungen die Begierden nach Macht, Reichtum und Lust anfachen. Bei einiger Überlegung verstehen wir, dass nicht die Befriedigung eines Begehrens, das Glück in sich trägt, sondern das Freisein von ihm. An die Stelle des Begehrens tritt ein Zustand völliger Ruhe und Gelassenheit. Wer das Leid hinter sich lässt, erkennt die Wirklichkeit mit äußerster Klarheit, ohne jedes Wunschdenken. Auch wenn unangenehme Erfahrungen gemacht werden, verursachen diese kein Leid mehr.