Yogablog

Das Leben an sich

3 Okt 2019

Du sagtest dir selbst, dass du die Entscheidungen des Schicksals gutheißen solltest. Aber du verlorst dein Gleichgewicht, als du entdecktest, was dies von Dir forderte: da sahst du, wie fest du noch verbunden warst mit der Welt, die dich formt, aber die dich verleugnet. Bleibe im Zentrum, in deinem eigenen und dem der menschlichen Reaktionen. Handle für das Ziel, dem dein Leben gilt, mit aller Kraft, die Dir in jedem Augenblick zu Gebote steht. Handle ohne Gedanken an die Folgen und ohne in irgendeiner Weise dich selbst zu suchen.

Wenn wir uns ständig Sorgen machen, was als nächstes kommt, verpassen wir die Chance, auf alles zu reagieren, was um uns herum geschieht. Es wird uns nie gelingen die Zukunft zu erreichen; wenn wir dort ankommen, wird sie zur Gegenwart. Daher können wir das Leben entweder genießen während es stattfindet, oder wir können uns ständig darauf vorbereiten, es zu genießen. – Und wer entscheidet das? Doch nur du.

In Südamerika ist mañana [morgen] ein sehr beliebtes Wort dafür, dass egal was ist, es morgen gemacht wird ... und haben wir dann den nächsten Tag ist es wieder mañana. So schaffen es viele, sehr viele, dass sich nie etwas ändert, weil immer alles auf morgen verschoben wird – es sei denn es ist so etwas wie ein catastrophic break eine Unterbrechung des gewohnten Ganges mit einer zwangsweisen, katastrophalen Veränderung. Es bist immer nur du der etwas verändern kann und das aber zu jeder Zeit – und das geht nicht gestern oder morgen sondern nur jetzt genau in diesem Moment. Alles Andere ist schon vorbei oder sind »nur« gute Vorsätze für die Zukunft oder man kann es auch Phantasien nennen.

Jeder Traum ist wie eine mögliche Wirklichkeit, die nur darauf wartet, dass sie stattfinden darf.
Alles kann unsere Realität sein – sobald wir unseren Geist dafür öffnen. Deine Realität ist genau jetzt.

Ich und Ego

2 Sep 2019

Wir versäumen die Gegenwart, weil sich unsere Gedanken pausenlos mit der Vergangenheit beschäftigen.

Gedanken sind aufgrund ihrer Beschaffenheit immer Vergangenheit. Gedanken sind Materie, als Produkt des Gehirns, das ebenfalls Materie ist.

Unser Ich, unser Ego ist ein Gebilde, das vom Denken gebildet wird und einzig aus Gedanken existiert. Als Erzeugnis des Gehirns, ist es gleichfalls Materie und Vergangenheit. Das Ich kann niemals im Moment der Gegenwart existieren, weil die Gegenwart niemals von Gedanken und folglich vom Ich erreicht werden kann. 

Unser Ich ist ein synthetisches Gebilde aus gesammelten Erfahrungen, Erinnerungen und Gedanken, ist ein Wesen der Vergangenheit, dem es niemals möglich ist in der Gegenwart zu existieren.

Jeder kann in der Gegenwart leben. Aber dazu gehört Aufmerksamkeit und Wahrnehmung, ohne in Gedanken zu vollziehen was ist. Beobachte, dann bist du in der Gegenwart. Aufmerksamkeit entsteht durch Beobachtung. Beobachte, anstatt andauernd irgendwelche nutzlosen Gedanken zu spinnen.

Beobacht deine Gedanken bevor sie entstehen, ungezwungen, ohne verkrampfen. D.h. beobachten und denken ohne Gedanken nachzuhängen und in die Vergangenheit abzuschweifen.

Gedanken beobachten, ohne Stellungnahme, ohne beurteilen, ohne werten, nur beobachten und es kehrt Ruhe ein in das Chaos der schwatzenden Gedanken. Wenn der Geist beruhigt ist, wird Stille ein wesentliches Element der Persönlichkeit.

Denken, Ich und Ego bewegen sich in der Vergangenheit. Auch Zukunft ist auf ihr Art Vergangenheit, denn sie ist ein Produkt des Denkens und baut sich aus Erfahrungen der Vergangenheit auf. Gegenwart ist nicht in der Zeit. Gegenwart, das Jetzt, der Augenblick, gehört zur Ewigkeit. Gegenwart hört nie auf. Zeit vergeht, die Stunden verschwinden, und nichts kann sie zurückholen.

Durch Beobachten der Gedanken kehrt Ruhe ein im Geist, er wird klarer, leistungsfähiger und vor allem empfänglicher für die leise Stimme der Inspiration.

Beobachten lernen

1 Aug 2019

Gesellschaften werden seit Jahrtausenden von einer kleinen Gruppe mächtiger diktiert – und das Volk hat das als gut zu akzeptieren, was den Mächtigen nützt!

Egal in welcher Staatsform haben wir nur die Wahl zwischen ganz wenig Ideologien – wenn  überhaupt, ist selbst in einer Demokratie im besten Fall maximal die hälfte der Bürger vertreten.

Wirtschaftssysteme, Banken, Konzerne sind einfach da. Die lassen sich nicht wählen, aber die bestimmen die Geschicke und den Wohlstand einer Nation. Dort wird die Meinung gebildet. Wir sind in Gesetzte, Bestimmungen und Verordnungen derartig eingespannt, dass uns überhaupt nicht mehr bewusst wird wie wir gegängelt werden. Wir werden schon als Kinder zu angepassten Kindern der Gesellschaft. In Schule, Ausbildung Studium ein weiterer Schliff der Anpassung an das herrschende Prinzip. In der beruflichen Laufbahn hängt das Wohlergehen von der Hierarchie der Gesellschaft ab. Anstatt aus diesem andauernden Druck verzweifelt auszubrechen, ist der Fluchtweg: die Verdrängung des nicht Ertragbaren ins Unbewusste, alles was mit den Spielregeln der Gesellschaft nicht konform geht. Darum ist unser Geist unfähig die Wirklichkeit so wahrzunehmen, wie sie tatsächlich ist. Was wir für die Wirklichkeit halten, sind Bruchteile der Realität. Unsere Sinne werden täglich kontrolliert, die Wahrnehmung gefiltert. Wir sind nicht fähig mehr zu sehen, als das was wir gelernt haben als richtig zu akzeptieren. Auf diese Weise empfangen wir ein kräftig zensiertes Bild der Wirklichkeit.

Es gibt keine wirkliche Sicherheit, nicht in der Gesellschaft, nicht in den Autoritäten die wir anerkennen. Aus der Anpassung erwächst weitere elementare Unfreiheit. Wir müssen begreifen, dass es Dinge gibt, die keinen Preis haben – die können wir uns nicht erkaufen.

Wir dürfen keine Autoritäten anerkennnen, niemand, der uns vorschreibt, wie wir zu sein oder zu werden haben. Um diese Freiheit zu erreichen, ist in erster Linie unsere Bereitschaft notwendig. Der Schritt zur inneren Freiheit beginnt damit, dass wir unserer Bindungen ansehen, sie solange beobachten, bis wir die in ihnen liegenden Gefahren erkannt haben. Unter unserer Aufmerksamkeit, die nicht von Gedanken gestört werden sollte, verlieren diese Bindungen ihren Einfluss auf uns.

Konzentration geht vom Gehirn aus und ist damit materiell, weil jede Art von Gedanken Materie ist. Aufmerksamkeit hat mit Gedanken nichts zu tun. Gedanken verfälschen die Aufmerksamkeit. Beobachten ist die zweite Voraussetzung dafür, dass Aufmerksamkeit in unser Leben einzieht. Beobachten ist kein intellektueller Vorgang, es ist etwas ganz einfaches. Wenn du etwas beobachtest, blicke es einfach nur an – ohne zu verkrampfen. Denke nicht »Baum«, wenn du einen Baum siehst, blicke ihn einfach an, sonst nichts!

Die sanfte Kunst des Beobachtens ist die Grundlage für die Aufmerksamkeit. Beobachten schließt den gesamten Sinnesbereich mit ein (Tasten, Hören, Schmecken, Riechen und Sehen). Motivlos beobachten, ohne denkende Analyse, dann stellt sich Aufmerksamkeit ein. Dieses Tun ist einfach. Was es kompliziert macht ist, dass wir die Fähigkeit verloren haben etwas nur anzusehen, ohne dass wir unsere Gedanken dazuwischenschalten, analysieren und untersuchen. Einfach nur beobachten ohne einen Vorgang mit Gedanken zu begleiten und zu vergleichen.

Bauch, Kopf, Herz, Mitte, Ruhe

1 Jul 2019

Das spirituelle Herz, unsere Mitte, finden wir in der Meditation.

Meditation ist keine Flucht. Meditation heißt, den Mut zu haben, die Realität mit den Augen von Achtsamkeit und Konzentration zu betrachten. Unsere Welt braucht Weisheit und Einsicht.

»Citta–vrtti–nirodhah« – das »zur-Ruhe-kommen-lassen-der-Gedanken«, Gefühle fühlen, »Basis-Gemütszustände«, die in uns verankert sind und zur inneren Freiheit führen, wie z.B.: Liebe, Güte, Mitgefühl, Hingabe, Würdigung des Lebens, Intuition, Vertrauen, Dankbarkeit.

»Citta–vrtti–nirodhah«, eine herausfordernde Aufgabe für den Kopf.

Auf dem Yogaweg sollen unsere Gedanken zur Ruhe finden. Gemütszustände und Gefühlsschwankungen hindern uns in einen höheren Bewusstseinszustand zu kommen.

Lass deine emotionale Intelligenz von unten (Bauch) hoch fließen zur Körpermitte und deine intellektuelle Intelligenz vom Kopf nach unten zur Körpermitte. Die beiden Intelligenzen sollen sich in der Mitte treffen. Der Geist in ihnen ruhen, damit er weder emotional noch intellektuell gestört wird. Es geht nicht um das zwanghafte Ausschalten der Gedanken. Gedanken können durchaus in einem ruhigen, meditativen Zustand noch vorhanden sein, aber sie beherrschen nicht mehr die Ausrichtung. Wenn, dann sind sie leise da und stören einfach nicht mehr. Es gibt keinen Kampf mehr, sie werden unbedeutend. Es geht um ein Hinübergleiten in das Sein, der sich im Atmen öffnenden Weite. So, dass Ruhe und Stille sich ausbreiten.

Die Herzintelligenz

1 Jun 2019

Eine interessante Übersetzung aus den Yoga-Kernsutren, des Patanjali: YS 1.2 »citta–vrtti–nirodhah« und YS 1.4 »vrtti–sarupyam-itaratra« ist: »Einheit entsteht, wenn alles Fühlen und Denken zueinander finden.« »Besteht keine Einheit, wird die Wahrnehmung durch Gefühle und Gedanken beeinflusst.«

Meditation ist ein Weg, der voraussetzt, dass Fühlen und Denken schon Eins sind. Die Kommunikation zwischen Herz (=Fühlen) und Gehirn (=Denken) nimmt dabei eine zentrale Stellung ein.

Über Nervenströme erzeugt das Herz ein elektromagnetisches Feld, das bis zu 5000 mal stärker sein kann als das elektromagnetische Feld des Gehirns und über unseren Körper hinausstahlt. Infolgedessen können »Herzfelder« von Menschen untereinander in Kontakt und Austausch treten, sich dabei u.U. gegenseitig verstärken, was in Gruppenmeditationen zu spüren sein kann.

Aussagen, die sowohl der modernen Herzforschung als auch den Wurzeln der alten Weisheitslehren entsprechen und deren Erkenntnisse mit Hilfe der modernen Forschung zugänglich und alltagstauglich gemacht werden.

In der modernen Forschung der Herzintelligenz-Methode ist das Bestreben den Herzrhythmus zu harmonisieren, so dass ein ausgewogener Wechsel zwischen Beschleunigen und Verlangsamen der Herzschläge entsteht. Um eine harmonische Schwingung zu erreichen, sind Atmung und positive Emotionen (v.a. starke »Herzgefühle«, wie Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit) zwei Größen, die den Herzrhythmus beeinflussen. Dadurch steigt der Körper aus der Überproduktion
der Stresshormone Adrenalin und Cortisol aus. Er findet in einen klaren und aktiv entspannten Zustand zurück, indem vermehrt das Anti-Aging-Hormon DHEA gebildet wird. Dies hat eine nachweislich wohltuende, regenerierende und heilende Wirkung auf die Körperzellen. Es lässt sich klareres Denken, kombiniert mit Intuition und Kreativität feststellen.